Irrtümer und Tatsachen über "Radverkehrsanlagen"

Die beliebtesten Irrtümer über Radwege

Radwege sind sicherer als die Fahrbahn
Ein Glaube, der schon vielen Radfahrern das Leben gekostet hat. Auf keinem anderen Straßenteil muß man so viele Eindrücke verarbeiten und trifft auf so viele Gefahren pro Strecke wie auf einem Radweg. Da dies nur wenigen bekannt ist, kommt es oft zu Unfällen mit fatalen Folgen. Die Hitliste führt dabei der Unfall "Radfahrer von rechtsabbiegenden LKW überrollt" an. Das liegt nicht an fehlenden Spiegeln oder fehlender Aufmerksamkeit seitens der KFZ-Fahrer, sondern am Radweg, der außerhalb des Wahrnehmungsbereichs der Kraftfahrer und rechts von Rechtsabbiegern geführt wird.
Radwege fördern den Radverkehr
Dieser Irrtum beruht auf der Verwechslung von Korrelation und Kausalität. Es gibt Städte mit vielen Radwegen und hohem Radverkehrsanteil (Korrelation). Daraus folgert man, die Radwege wären die Ursache für den hohen Radverkehrsanteil (Kausalität). Diese Folgerung ist aber falsch, einen ursächlichen (kausalen) Zusammenhang zwischen Radverkehrsanteil und gebauten Radwegkilometern gibt es nicht. Es ist eher so, dass wegen viel Radverkehr (der den Autoverkehr stört) Radwege gebaut werden und der Radverkehrsanteil trotz der Radwege so hoch bleibt.
Radfahrer halten den Verkehr auf
Ist eine subjektive Empfindung der KFZ-Fahrer, die mit der Realität wenig zu tun hat. Die Tür-zu-Tür Geschwindigkeiten von Fahrrad und Auto unterscheiden sich in der Stadt kaum. Je kürzer die Strecke, umso größer ist der Geschwindigkeitsvorteil des Fahrrads. Nur die hohen Maximalgeschwindigkeiten der Autos auf freier Strecke lassen den Eindruck vom langsamen Fahrrad entstehen. Ein Radfahrer fährt mit niedriger Maximalgeschwindigkeit, diese jedoch wegen der geringern "Stauanfälligkeit" kontinuierlich. Parkplatzsuche und Fußweg zwischen Parkplatz und Ziel fallen weg.
Radfahrer zahlen keine Steuern und haben auf der Straße nichts zu suchen
Abgesehen von einer Umfrage in Berlin, die ergab, dass die meisten Alltagsradfahrer gut bezahlte Akademiker sind (Lohnsteuer!), eine Frage zum Nachdenken: Warum baut man ausgerechnet für die Verkehrsteilnehmer, die keine Steuern bezahlen, exklusive Sonderwege?
Das ist doch so ein schöner Radweg!
Radwege sehen vom Auto aus, vor allem wenn frisch geteert, wie paradisische, glatte und ebene Rollpisten aus. Der Eindruck täuscht: Radwege haben meistens eine sehr wellige Teerdecke. Das ist extrem nervig, bremst messbar und führt in Kurven auch mal zum Verlust des Bodenkontakts.

Die wichtigsten Tatsachen über Radwege

Sinn der Radwege: Rad weg (von der Fahrbahn)
Radwege werden gebaut, um den KFZ-Verkehr zu beschleunigen. Wer das nicht glaubt, schaut am besten in die Vergangenheit: Damals war die Euphorie über die Massenmotorisierung noch so groß, daß man es noch offen aussprechen durfte:
Schaffung besonderer Radfahrwege ist eine Forderung im Interesse [...] auch des Kraftwagenfahrers, um diesen von den Störungen und Rücksichten auf den Verkehr mit Fahrrädern unabhängig zu machen."
Henneking: "Der Radfahrverkehr" (1926/27)
Zeigen wir [zur kommenden Olympiade 1936] dem staunenden Ausländer einen neuen Beweis für ein aufstrebendes Deutschland, in dem der Kraftfahrer nicht nur auf den Autobahnen, sondern auf allen Straßen durch den Radfahrer freie, sichere Bahn findet.
Zeitschrift "Radfahren" 2/1994
Heute darf man die Anordnung der Radwegbenutzungspflicht so nicht mehr begründen. Deshalb wird versucht, mit "Sicherheit" zu argumentieren, was leider funktioniert. Wer glaubt, diese Zitate hätten wegen ihres Alters heute keine Bedeutung mehr, irrt leider. In den Stadträten und Verwaltungen setzen sich auch heute noch zu oft diejenigen durch, die flüssigen Verkehr (gemeint ist KFZ-Verkehr) gewährleisten wollen. Oft geht es dabei gar nicht um den Verkehr, sondern um das sinnlose Abschöpfen von Steuergeldern.
Radwege sind gefährlich
Das ergibt sich automatisch aus "Sinn der Radwege". Das primäre Ziel beim Straßenbau ist, effiziente Autofahrspuren mit hoher Kapazität herzustellen. Dazu – so glaubt man – muß der Radfahrer verschwinden. Wo dieser dann fahren soll, darum kümmert man sich danach. Das Fahrrad hat also maximal sekundäre Priorität, entsprechend abenteuerlich sind die Radverkehrsführungen an Kreuzungen. Man spricht bei Radwegen auch von Wegen zweiter Wahl.
Radwege fördern Fehlverhalten
Gerade unerfahrene Radfahrer wähnen sich auf Radwegen in falscher Sicherheit. Die Abwesenheit von Autoverkehr gibt ein sicheres Gefühl, leicht und unbeschwert werden dann dort Regelverstöße begangen: (für Radwege) zu hohe Geschwindigkeiten, Mitbenutzung von Fußwegen, Benutzung von Radwegen auf der "linken" Seite werden als kleine, harmlose Regelverstöße gesehen, sind aber tatsächlich unfallträchtiger als Mischverkehr mit KFZ.
Radwege rotten Radverkehr aus
Wer in seiner Stadt keine Radfahrer haben will, sollte möglichst viele Radwege bauen. Radwege bedeuten:
  • Verlängerte Wege durch Verschwenkungen oder Umfahrung von Abbiegespuren, durch indirektes Linksabbiegen an Kreuzungen (2-3 Ampelphasen vs. einer)
  • Geringere (sichere) Geschwindigkeit durch mehr Gefahren pro Strecke gegenüber der Fahrbahn
  • Geringer Komfort durch schlechten bis unzumutbahren Radwegbelag
  • Autofahrer, die "ihr Revier" aggressiv verteidigen, egal ob der Radfahrer den Radweg benutzen muß oder nicht
Das schränkt sowohl die Attraktivität als auch den Aktionsradius des Fahrrads spürbar ein.

© Markus Sander PGP-Key
letzte Aktualisierug: $Date: 2007/02/25 20:04:59 $